Der Bluesman auf Reisen. Bild: Album "One more car..."

Biografie über Eric Clapton

Eric Claptons persönliche Lebensgeschichte liest sich analog zu seiner Musikkarriere. Stets waren der Mensch und der Musiker Eric Clapton eine Einheit. Was ihn persönlich berührte, wurde Teil seiner Musik. Was er musikalisch leistete, war wiederum Teil seiner Identität. Erst jetzt - nach einer Jahrzehnte langen, Kräfte zehrenden Reise durch viele Höhen und Tiefen - hat er mit seiner jungen Familie eine Heimat gefunden.

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Eric Clapton - sein Leben und seine Musik bis heute

Geburt, Eltern, Großeltern

Eric Patrick Clapton wurde am 30. März 1945 im Hause seiner Großeltern in Surrey, England, geboren. Er war der uneheliche Sohn der erst 16-jährigen Patricia Clapton. Sein Vater, Edward Fryer, ein 24-jähriger kanadischer Soldat, war zu dieser Zeit in England stationiert und zog noch vor Claptons Geburt zurück zu seiner Frau nach Kanada.

Für ein unverheiratetes, 16-jähriges Mädchen war es in den 40er Jahren äußerst schwierig, ein Kind eigenständig großzuziehen. Daher übernahmen Patricias Mutter Rose Clapp und ihr Stiefvater Jack Clapp die Vormundschaft über den jungen Eric. Patricias Nachname, Clapton, stammte von ihrem leiblichen Vater, Reginald Clapton, der 1933 gestorben war.

Patricia lernte derweil in Deutschland einen anderen kanadischen Soldaten kennen, Frank McDonald. Nach ihrer gemeinsamen Hochzeit zogen sie nach Kanada aufgrund Franks militärischer Karriere. Patricia bekam noch drei weitere Kinder.

Claptons Kindheit und Jugend

Eric, der in der Obhut seiner Großeltern aufwuchs, sollte von den Umständen seiner Geburt lange Zeit nichts wissen. Er verhielt sich in seiner Kindheit still und zurückhaltend. In der Schule galt er allerdings als ein überdurchschnittlicher Schüler mit einer ausgeprägten Begabung im künstlerischen Bereich.

Als einschneidendes Erlebnis bezeichnet Clapton bis heute sein neuntes Lebensjahr, dem Jahr, in dem er die wahren Hintergründe über seine leiblichen Eltern erfahren sollte. Es passierte, als seine Mutter Patricia zu Besuch nach England kam. Eric war bis dato fest davon überzeugt, dass seine Großeltern seine Eltern und seine Mutter seine große Schwester gewesen war. Die Konfrontation mit der Wahrheit war für den jungen Eric ein tiefer Schock. Er distanzierte sich, wurde zunehmend launisch und stoppte seine Bemühungen für die Schule. Er fiel durch diverse Prüfungen und wechselte mehrmals die Schule. Eine Perspektive im künstlerischen Bereich zeichnete sich jedoch ab. 1961, im Alter von 16 Jahren, schrieb er sich für ein Studium am "Kingston College of Art" ein. Nach einem Jahr Probezeit wurde er allerdings wegen fehlendem Engagement entlassen. Der Grund: Eric hat die Musik - besser gesagt: den American Blues - für sich entdeckt. Anstatt sich der bildenden Kunst zu widmen, steckte er seine gesamte Energie in das Erlernen der Musik der Außenseiter, die für ihn ein immer wichtigeres Ventil bildete. Zu dem Zeitpunkt besaß er bereits seit mehreren Jahren eine akustische Gitarre.

Eric Claptons frühzeitiges Musikinteresse hat er seiner musikalischen Familie zu verdanken. Sowohl seine Mutter als auch sein Onkel waren beide große Anhänger der Big Bands. Daher war es für sie auch selbstverständlich, Erics Geschenkewunsch zum 13. Geburtstag, eine Gitarre, zu erfüllen. Claptons Interesse an Musik nahm jedoch rasch eigene Dynamiken an. Binnen kürzester Zeit begann er, einen Großteil seiner Freizeit für die Musik von Robert Johnson, Muddy Waters, Buddy Guy und die der "drei Kings" (Albert, Freddy und B.B.) zu opfern. Seine akustische "Hoya" war allerdings dafür auf Dauer das falsche Instrument. Daher bat er seine Großeltern im Alter von 17 Jahren, seine erste elektrische Gitarre (eine Gibson ES335 Kopie) mitzufinanzieren. Clapton lernte nun den elektrischen Blues.

Der Beginn der Musikkarriere

In diese Zeit fiel Erics Karrierebeginn als Musiker. Entlassen vom College, musste er sich als Straßenmusiker und Bauarbeiter Geld dazuverdienen. Anfang 1963, also gerade ein Jahr nach der frühzeitigen Beendigung der Kunstschule, trat Clapton in seine erste Band ein, "The Roosters". Schon ein halbes Jahr später bekam er ein Angebot von den "Yardbirds", nachdem er einen Monat in der Pop-orientierten Gruppe "Casey Jones and The Engineers" verbrachte. Der Grund für das Angebot von den Yardbirds war, dass Clapton der angesagteste Spieler im "R+B Pub Curcuit" war. Zusammen mit Keith Relf und Paul Samwell-Smith nahm Clapton die ersten Alben auf, darunter "Five Live Yardbirds" und "Sonny Boy Williamson and The Yardbirds". Schon zu dieser Zeit erhielt er seinen bekannten Spitznamen "Slowhand". Seine ernsthafte Erforschung des American Blues ging weiter und als die Yardbirds anfingen, mit der Single "For Your Love" einen kommerzielleren Sound anzustreben, verließ Clapton die Band. Seine Musikrichtung war der Blues.

John Mayall, Cream, Derek and The Dominos

Im April 1965 trat er in die Band "John Mayall's Bluesbreakers" ein, mit der er das Album "John Mayall's Bluesbreakers with Eric Clapton" herausbrachte. Das Album, das heute als Claptons erster Meilenstein seiner Musikkarriere gilt, kam auf Platz 6 der englischen Pop-Charts. Clapton trennte sich 1966, um seine erste eigene Band, "Cream", zu gründen. Zu dem Trio gehörten Bassist Jack Bruce und der Schlagzeuger Ginger Baker. Drei erfolgreiche Studioalben ("Fresh Cream", "Disraeli Gears" und "Wheels of Fire"), dazu zahlreiche fulminante Live-Auftritte in Europa und den Vereinigten Staaten machten die Band mit ihrem energetischen Blues-Rock und neuartigen Psychedelic-Rock weltweit berühmt und setzte sie annähernd auf eine Stufe mit den Rolling Stones. Dabei erkämpfte sich Clapton seinen Ruf als einen der besten Blues- und Rockgitarristen der Welt. Enorme Spannungen, insbesondere zwischen Jack Bruce und Ginger Baker, führten zur Auflösung des grandiosen Rocktrios im Jahr 1968.

Wenige Monate später gründete Clapton die Supergroup "Blind Faith" mit einer viel versprechenden Besetzung, denn es spielten neben Ginger Baker ("Cream") Steve Winwood ("Traffic") und Rick Grech mit. Ihr kostenloses Eröffnungskonzert im Hyde Park lockte über 100.000 Besucher an. Nach nur einem Album war jedoch das Ende der Formation bereits besiegelt, da die inhaltlichen Differenzen zwischen den Musikern schwierig auf einen Nenner zu bekommen waren. Das gehaltvolle Album feierte jedoch einen großen musikalischen Erfolg.

Nach einer kurzweiligen Zusammenarbeit mit der elfköpfigen Formation "Delaney and Bonnie" und einem anschließenden ersten Projekt als Solointerpret (Album "Eric Clapton") bildete Clapton im Sommer 1970 zusammen mit Carl Radle, Jim Gordon und Bobby Whitlock das Rockquartett "Derek and The Dominos". Das fulminante Album der Band, "Layla And Other Assorted Love Songs" mit Duane Allman ("Allman Brothers Band") als Gastgitarristen brachte den Superhit "Layla" und weitere außergewöhnliche Rockballaden hervor. In den Kompositionen gab Clapton seinen Gefühlen zu Pattie Boyd-Harrison Ausdruck. Sie war seine damalige großen Liebe. Pattie war allerdings zu dem Zeitpunkt mit einem seiner guten Freunde - dem Beatle George Harrison - liiert.

Beginn der Solokarriere in den 1970ern

Die folgenden Jahre waren für Clapton die Dunkelsten seines Lebens. "Phasenweise kann ich mich an gar nichts mehr erinnern", gab er schon häufig in Interviews zu. Grund für diese tragischen Ausfälle war seine schwere Heroinsucht, die 1971 anfing und erst 1973/1974 ein glückliches Ende fand. Sein enger Freund Pete Townshend ("The Who") half ihm aus der Drogenohnmacht und organisierte Erics Comeback im Londoner Rainbow Theater 1973. Die endgültige Loslösung der harten Droge gelang ihm erst durch eine elektrische Akupunkturbehandlung wenige Monate später. Viele Kritiker hatten Clapton als Musiker bereits abgeschrieben.

Deutlich gekennzeichnet durch die Droge begann Clapton in den Folgejahren mit seiner eigentlichen Solokarriere. Sein zweites Soloalbum "461 Ocean Boulevard" gehört mit der erfolgreichen Coverversion von Bob Marleys "I Shot The Sheriff" zu Erics wichtigsten Platten. Clapton experimentierte mit Reggae, Soul und Laid Back und produzierte bis Ende der Siebziger Jahre eine große Anzahl an Soloalben. In dieser Zeit entstand u.a. die Coverversion von J.J. Cales "Cocaine" und Claptons erfolgreichste Ballade, "Wonderful Tonight".

Die wechselhaften 1980er- und 90er-Jahre

1979 heiratete Clapton seine Liebe Pattie Boyd-Harrison, die mittlerweile von George Harrison geschieden worden war. Die Ehe mit Pattie zerbrach jedoch sechs Jahre später. In der folgenden Beziehung mit Yvonne Khan Kelly Mitte der Achtziger bekam Clapton seinen ersten Nachwuchs, Ruth. Jedoch hielt diese Beziehung nicht sehr lange und Eric verließ seine Familie. Mit seiner neuen Lebensgefährtin, der Schauspielerin Lori Del Santo, bekam Clapton 1986 sein zweites Kind, Conor.

Während Clapton auf der Bühne immer mehr Erfolge verzeichnen konnte (siehe z.B. das Livealbum "Just One Night"), erzeugten seine Studioprojekte Anfang der Achtziger weniger positive Resonanzen. Für die Alben "Behind The Sun" und "August" stellte Clapton seine Band fast vollständig um. Trotz einer verstärkten Orientierung zum Pop, für die er den Drummer und Produzenten Phil Collins mit in seinen Kader aufnahm, blieb der versprochene Erfolg aus.

Der endgültige Durchbruch gelang mit dem 1989 veröffentlichten Album "Journeyman". Auf der Scheibe waren die Hits "Pretending", "Old Love" und "Bad Love" zu finden. Mit den Shows in der Londoner Royal Albert Hall 1990/1991 (Livealbum "24 Nights") erlebte Clapton schließlich einen seiner musikalischen Höhepunkte. Seine akustische Liveperformance in den Bray Studios kurze Zeit später sollte sich dann als das erfolgreichste Konzert, das Clapton jemals gegeben hatte, entpuppen. Aus den Aufnahmen wurde das Album "Unplugged" produziert, das mit 6 Grammies nominiert wurde und bis heute als Meilenstein für die akustische Gitarre gilt. "Unplugged" ist und bleibt mit Abstand Claptons erfolgreichstes Musikwerk.

So erfolgreich das Album war, so traurig waren seine Inhalte. In "Tears In Heaven" und "Circus" (nicht auf der normalen CD) verarbeitete Clapton den schwersten Verlust seines Lebens - den seines Sohnes Conor, der im März 1991 tödlich verunglückte. Hinzu kam ein tragischer Hubschrauberabsturz im August 1990, bei dem u.a. sein langjähriger musikalischer Weggefährte Stevie Ray Vaughn ums Leben kam. Claptons Karrierehöhepunkte gingen mit seinen größten persönlichen Tiefschlägen zeitlich einher.

Das Album "From The Cradle" (1994) brachte den rauen Blues, seine musikalischen Wurzeln, zurück an die Oberfläche. Clapton begann damit eine Retro-Reihe, der sich in den kommenden Jahren noch weitere Alben anschließen sollten. Doch zunächst gab er sich experimentell. Inspiriert durch seinen neuen Produzenten Simon Climie veröffentliche er 1998 das Elektro-Pop-Album "Pilgrim". Zuvor "versteckte" sich Eric als "x-Sample" auf TDF's experimentellen Elektro-Album "Retail Therapy". Beide Alben stellen bis heute seine musikalisch größte Abweichung dar. "Pilgrim" war zwar sehr erfolgreich, wurde jedoch bei vielen Fans durchaus kontrovers wahrgenommen.

Ende der 1990er-Jahre engagierte sich Clapton vermehrt für wohltätige Zwecke. Er gründete aus eigenen finanziellen Mitteln das "Crossroads Centre", eine Rehabilitationsklinik auf der Karibikinsel Antigua für Drogensüchtige. Seine erste große Gitarrenversteigerung, die 1999 in New York stattfand und 4 Millionen Dollar einbrachte, hatte den Zweck, das Rehabilitationszentrum finanziell zu unterstützen.

Die 2000er - der "Journeyman" kommt nach Hause

Das neue Jahrhundert begann mit einer Sensation für Clapton: Im Februar 2000 wurde Eric Clapton als erster Musiker überhaupt zum dritten Mal in die "Rock and Roll Hall Of Fame" aufgenommen. Es war die Belohnung für sein Lebenswerk bis dato, vor allem für seine erfolgreiche Musik in den 1990ern.

In den 2000er-Jahren legte Clapton immer wieder einen Focus auf seine musikalischen Wurzeln. Nach "From the Cradle" nahm er als nächstes Retro-Projekt ein Blues-Album zusammen mit der Blueslegende B.B. King auf - es entstand "Riding with the King" (2000). Es landete in den USA auf Platz drei der Charts. Ein weiteres beeindruckendes Projekt war die Hommage an den verstorbenen Bluesmusiker Robert Johnson 2004 ("Me and Mr. Johnson"), eines seiner größten musikalischen Vorbilder. Im Jahr 2006 brachte er gemeinsam mit der Laid-Back-Legende J.J. Cale das gemeinsame Album "Road to Escondido" auf - eine Anspielung auf Claptons Musikstil der 1970er-Jahre. Auch auf der Bühne nahm er immer wieder Bezug auf die Vergangenheit: Während der Tournee 2006 legte er zusammen mit Co-Gitarrist Derek Trucks ("Allman Brothers Band") einen Schwerpunkt auf die Songs von Derek and the Dominos. Zuletzt lebte bei zahlreichen gemeinsamen Konzerten mit Steve Winwood zwischen 2008 und 2011 der Geist von "Blind Faith" wieder auf. Das jedoch mit Abstand größte Retro-Ereignis des Jahrzents war die fulminante Reunion mit seinen Cream-Kollegen Jack Bruce und Ginger Baker im Mai und November 2005 - es war die lang ersehnte "Cream-Reunion".

Auch für das "Crossroads Centre" war Clapton weiter aktiv. Bei einer zweiten Gitarrenauktion im Jahr 2004 kamen erneut horrende Summen zusammen - unter anderem wurde seine berühmteste Gitarre, die Fender Stratocaster "Blackie", für eine Rekordsumme von knapp einer Millionen Dollar verkauft. Noch wichtiger für die Finanzierung der Drogeneinrichtung war die Initiierung des "Crossroads Guitar Festival", ein mehrtägiges Musikevent mit vielen bekannten Musikern aus Rock und Blues, das erstmals 2004 in den USA stattfand und in den Jahren 2007 und 2010 neu aufgelegt wurde.

Das Jahrzehnt war durch eine rege Konzerttätigkeit geprägt. Danach sah es zunächst aber gar nicht aus: Nach einer Konzertreihe 2001 verkündete Clapton, dass er keine größeren Tourneen mehr unternehmen wollte. Von diesem Standpunkt hatte er sich aber kurze Zeit später wieder verabschiedet. Der Hintergrund dieser Ankündigung war privater Natur: Im Sommer 2001 wurde Clapton zum dritten Mal und im Frühjahr 2003 zum vierten Mal Vater. Die Mutter beider Töchter (Julie Rose und Ella May), Melia McEnery, eine 31 Jahre jüngere US-Amerikanerin, lernte Clapton im Jahr 1999 kennen. Sie heirateten im Januar 2002. Eine dritte Tochter (Sophie) kam im Jahr 2005 zur Welt.

Durch den positiven Einfluss seiner jungen Familie erhielt Clapton ein Gefühl der Geborgenheit, das der stets Rastlose seit seiner jüngsten Kindheit nicht mehr erlebte. Auch wenn die musikalischen Hommagen an seine Familie, die Alben "Back Home" (2005) und mit Einschränkungen auch "Reptile" (2001), musikalisch nicht herausragend waren, hatten sie für Eric Claptons Selbstdarstellung einen vermutlich unschätzbaren Wert. Sie sind Teil der Wegfindung eines "Journeyman", der 40 Jahre auf Reisen war und sich nicht nur einmal am Scheideweg des Lebens wieder fand. Dass die Reise beendet zu sein scheint, zeigt auch die Herausgabe seiner Autobiografie "Mein Leben", die 2007 erschienen ist.

Derweil plant Clapton von seinem neuen zu Hause aus weitere musikalische Projekte... (to be continued)

© 1999-2012 Thomas Mießeler (Clapton.de). Frei zum privaten Gebrauch. Vervielfältigung in öffentlich zugänglichen Medien bitte nur mit Erlaubnis des Autors.

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Für die weitere Lektüre

Mein Leben. Die Autobiografie
(2007, dt.)
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Amazon (Hörbuch)
C. Sandford - Eric Clapton
(1996, dt.)
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M. Schumacher - The life and music of Eric Clapton
(2003, en.)
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M. Roberty; A. Tepper - Storys and Songs kompakt (2007, dt.)
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D. Thompson - Cream: The World's First Supergroup (2005, en.)
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Zu allen deutschen Büchern gibt es eine englische Originalausgabe.