Stones & Muddy Waters Blues Konzert (DVD/CD) nach 31 Jahren

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Stones & Muddy Waters Blues Konzert (DVD/CD) nach 31 Jahren

Beitragvon EricsBadge » Sa 16. Jun 2012, 16:54

New/Old Bluesy Stones

It's not surprising that Mick Jagger, Keith Richards, Ronnie Wood and Ian Stewart of The Rolling Stones wanted to see blues legend Muddy Waters play at his Chicago nightclub on November 22, 1981 during their "Tattoo You" U.S. tour.

So of course they ended up joining him onstage to do a full set of 15 classic blues songs, with help from future Hall Of Famers Buddy Guy and Junior Wells. No one knew it would be one of the late bluesman's last live concert appearances.

The result, will finally be released 31 years later, as "Muddy Waters & The Rolling Stones: Checkerboard Lounge Live 1981." It will be available as a DVD-plus-CD package on July 10th. Rock on!

Quelle: Joe's Daily
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Re: Stones & Muddy Waters Blues Konzert (DVD/CD) nach 31 Jah

Beitragvon trablu » Fr 6. Jul 2012, 23:37

Muddy Waters – geboren 1915 als McKinley Morganfield auf einer Plantage in Rolling Fork (Mississippi), gestorben 1983 in Westmark, nahe Chicago (Illinois) – war schon zu Lebzeiten als Musiker der Inbegriff des modernen Chicago-Blues. Kein anderer Gitarrist und Sänger hat dieses Genre so nachhaltig beeinflusst und geprägt wie er.

Seine von 1950 - 1959 in der Windy City aufgenommenen und als Singles veröffentlichten insgesamt ca. 75 Songs bildeten – mit den 29 Songs, die Robert Johnson in zwei Sessions 1936 und 1937 in San Antonio und Dallas einspielte – die Basis des weißen Blues-Booms in Nordamerika und in Großbritannien und legten damit den Grundstein für die Karrieren von u. a. Mike Bloomfield und Johnny Winter auf der einen und Eric Clapton und den Rolling Stones auf der anderen Seite des Atlantiks.

Vier der Aufnahmen Waters - GOT MY MOJO WORKIN´, HOOCHIE COOCHIE MAN, MANNISH BOY und ROLLIN´ STONE – so wie vier der Aufnahmen Johnsons - CROSSROADS BLUES, HELLHOUND ON MY TRAIL, LOVE IN VAIN und SWEET HOME CHICAGO – werden in der Liste der „FIVE HUNDRET SONGS THAT SHAPED ROCK AND ROLL“ des Rock And Roll Hall Of Fame-Museums in Cleveland gelistet.
Zum Vergleich: Von Clapton wird unter eigenem Namen nur ein Song – AFTER MIDNIGHT – aufgeführt, von den Stones immerhin sechs (!): HONKY TONK WOMAN, JUMPIN´ JACK FLASH, MISS YOU, SATISFACTION, SYMPATHY FOR THE DEVIL und TIME IS ON MY SIDE.

1958 erschien dann ein Sampler als erstes Waters-Album überhaupt – THE BEST OF MUDDY WATERS – das 12 Aufnahmen aus der Zeit von 1946 – 1956 enthielt.

Diese LP hatte Mick Jagger bei sich, als er im Oktober 1961 im Bahnhof Dartford Keith Richards traf. Es war sozusagen die Initialzündung der Rolling Stones.
Auf den Bandnamen kam Jagger dann lt. Richards, als er bei seinem telefonischen Versuch, einen Veranstaltungshinweis für einen Auftritt in einer Musikzeitschrift zu erbitten, von dem verantwortlichen Redakteur nach dem Namen der noch namenlosen Covercombo gefragt wurde und in dem Moment den Titel ROLLIN´ STONE auf dem LP-Backcover las.

Die Stones haben in Ihrer Anfangsphase von 1962 - 1965 offiziell 4 Songs aus dem Waters-Repertoire veröffentlicht - I WANT TO BE LOVED, I JUST WANNA MAKE LOVE TO YOU, I´M A KING BEE und I CAN´T BE SATISFIED. Mit der Orientierung auf eigenes Material ab AFTERMATH (1965) verschwanden dann mehrheitlich die Coverversionen. Erwähnungswert sind noch die Johnson-Songs LOVE IN VAIN auf LET IT BLEED (1969) sowie live 1969 auf GET YER YA-YA´S OUT (1970) und STOP BREAKIN´ DOWN auf EXILE ON MAIN STREET (1972). Und auf LOVE YOU LIVE gibt´s dann noch eine Liveversion von MANNISH BOY, sowie I JUST WANNA MAKE LOVE TO YOU auf der japanischen Version des Albums NO SECURITY (1998).

Muddy Waters hat einen einzigen Jagger/Richards-Titel aufgenommen: LET´S SPEND THE NIGHT TOGETHER, 1968 für das “Psycedelic-Album” ELECTRIC MUD, mit dem das Label Chess Records, bei dem er unter Vertrag stand, ihn dem weißen Rockpublikum näherbringen wollte.

Waters kam 1958 das erste Mal nach Europa, zusammen mit seinem Pianisten Otis Spann, auf Einladung des Jazzposaunisten und Bandleaders Chris Barber, der die Lücke, die sein Banjospieler/Gitarrist/Sänger Lonnie Donegan nach der Gründung seiner eigenen Skiffleband hinterlies, mit us-amerikanischen Bluesmusikern auffüllte - u. a. spielte auch Sonny Boy Williamson mit Barber in Europa.

Der nächste Besuch fand dann im Rahmen der von Horst Lippmann/Fritz Rau initierten Tour AMERICAN FOLK BLUES FESTIVAL 1963 statt. Hier sah Jagger sein Idol in Manchester zum ersten Mal live. Zu einer persönlichen Begegnung soll es aber nicht gekommen sein.

1978 buchten die Stones Muddy Waters dann offiziell zur musikalischen Untermalung ihrer Abschlussparty zur aktuellen US-Tour, auf der das Album SOME GIRLS promotet wurde.

Waters hatte drei Jahre zuvor nach einem Rechtsstreit um ausstehende Tantiemen Chess Records verlassen und war zu Blue Sky Records gewechselt. Das Label gehörte Steve Paul, dem damaligen Manager von Johnny Winter. Mit diesem Wechsel begann Waters zweiter Frühling.
Sein erstes für dieses Label aufgenommene Album – HARD AGAIN – schloss in punkto musikalischer Innovation und Feeling nahtlos an die Aufnahmen zwischen 1946 - 1958 (!) an. Diese LP wurde, wie seine vier Nachfolger von Winter produziert, der zudem auf nahezu allen Songs der Blue Sky-Alben mitspielte. Mit KING BEE wurde dann 1981 das letzte offizielle Studioalbum von Waters überhaupt veröffentlicht.

Die Stones hatten 1981 nach den Alben SOME GIRLS und EMOTIONAL RESCUE einen neuen Höhepunkt ihrer Popularität erreicht, als sie im üblichen Dreijahresrhythmus (seit 1969) ihre US-Tour angingen, um TATTOO YOU zu promoten. Die Kuriosität dieses Album ist, dass alle Songs bereits für die drei Alben davon komponiert und erstmalig aufgenommen und für dieses Platte neu eingespielt wurden. Man stelle sich das mal bei Clapton vor – das nächste Album bestünde nur aus neu aufgenommenen Outtakes der letzten drei Platten … - aber das nur am Rande.

Die US-Tour 1981 begann im September, und toppte kommerziell alles, was bis dahin in den USA an Tourneen stattfand. Die Stones spielten, bis auf wenige Ausnahmen, nur in den größten Hallen und Stadien des Landes. Als erste Band überhaupt tourte man mit 2 kompletten Stadionbühnen samt entsprechendem doppeltem Personal und hatte als Reisemittel ein eigenes Flugzeug gechartert. Für die Tickets der insgesamt 50 Konzerte, bei denen sich die Zuschauerzahlen zwischen 3.900 im Fox Theatre in Atlanta, 20.000 im Madison Square Garden in New York, 87.000 im Superdome in New Orleans (damals absoluter Hallenrekord) und 90.000 im John F. Kennedy Stadium in Philadelphia bewegten, hatten sich ca. 4 Mio. Menschen beworben. Neben der J. Geils Band, die die meisten Konzerte eröffnete, wurde zusätzlich noch die in den jeweiligen Bundesstaaten beliebteste Band dazugebucht, z. B. Santana, Prince, Tina Turner und ZZ Top. Schwarze Bluesmusiker wurden nicht eingeladen.

Im November kam man dann nach 33 Konzerten in Chicago an.
Einen Tag vor der ersten Show in der Sportarena Rosemont Horizon besuchten Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood, Ian Stewart und Bobby Keys Buddy Guys Bluesclub Checkerboard Lounge, um sich ein Konzert von Muddy Waters anzusehen, das offiziell gefilmt, aber erst jetzt erstmals offiziell als DVD/CD veröffentlicht wurde.
Charlie Watts und Bill Wyman waren nicht mit dabei. Der Titel der DVD/CD stimmt also so nicht.

Das Konzert beginnt mit 2 Stücken der Muddy Waters Band – John Primer und Rick Kreher: Gitarre, Lovie Lee: Klavier, Earnest Johnson: Bass, Ray Allison: Schlagzeug und George „Mojo“ Bruford: Mundharmonika: SWEET LITTLE ANGEL und FLIP FLOP AND FLY.
Dann sagt Bruford Waters an und es folgen YOU DON´T HAVE TO GO und COUNTRY BOY.
Beim nächsten Song, BABY PLEASE DON´T GO, sieht man dann wie Jagger, Richards und Wood mit Ian Stewart und Bobby Keys unter entsprechenden Sicherheitsmaßnah- men den Club betreten, und vor der Bühne an einem reservierten Tisch Platz nehmen. Als Waters sofort nacheinander Jagger, Richards und Wood auf die Bühne bittet, hat Richards bereits die Bourbonflasche am Hals. Im Gegensatz zu Jagger, der sich durch das Publikum seinen Weg nach vorne bahnt, nimmt Richards gleich den direkten Weg über die Tische. Das Image muss ja gewahrt werden. Wood tut es ihm der Einfachheit halber nach.
Es folgen HOOCHIE COOCHIE MAN, LONG DISTANCE CALL und MANNISH BOY.
Danach sagt Waters Buddy Guy, Junior Wells und Lefty Dizz an und verlässt, ebenso wie Jagger, die Bühne.
Und jetzt, nach dem geordneten Auftritt Waters, geht die Jam-Session los.
Es folgen GOT MY MOJO WORKIN´ (gesungen von Wells) und NEXT TIME YOU SEE ME (gesungen von Guy und Dizz). Danach verlässt Buddy Guy die Bühne und Lefty Dizz singt ONE EYED WOMAN, mit Bemerkungen über Jaggers Frauenbekanntschaften. Jagger sitzt im Publikum und kann sich vor Lachen teilweise nicht halten. Und dass das Mikro von Dizz zweitweise ausfällt, stört nicht weiter, es wird einfach ins Publikum „gesungen“. Irgendwann dazwischen übernimmt dann Ian Stewart von Lovie Lee das Piano und Nick Charles von Earnest Johnson den Bass.
Mit BABY PLEASE DON´T GO (Version II) wird der inzwischen wieder vor der Bühne sitzende Muddy Waters auf die Bühne gebeten, der das Konzert schließlich mit CLOUDS IN MY HEARTS beendet, bevor dann ein Instrumental das endgültig letzte Stück ist – alles Chicago-Blues vom Feinsten.

Das Checkerboard Lounge ist ein sehr kleiner, intimer Club mit einer Winzbühne. Es gibt keine Sicherheitsabsperrungen. Musiker und Publikum stehen sich praktisch auf den Füssen.
Von dieser Intimität lebt die Musik dieses Abends. Es ist faszinierend, die Kommunikation auf der Bühne, aber auch die zwischen den Musikern im Publikum und denen auf der Bühne (und umgekehrt) zu sehen. Eine Atmosphäre, die an ein Wohnzimmer erinnert.
Und es ist auch beeindruckend, mit welcher Hochachtung die kommerziellen weißen Superstars den schwarzen Königen des Chicago-Blues begegnen, nicht nur Muddy Waters, sondern auch Buddy Guy und Junior Wells.

Die „Show“ scheint grundsätzlich geplant gewesen zu sein – schließlich ist nicht zufällig ein Kamerateam anwesend, wenn genauso zufällig die zufällig in der Stadt weilenden Rolling Stones zufällig an einem freien Abend die Idee haben, mal eben kurz auf einen Bourbon vorbei zu kommen. Das ist aber egal. Hier zählt ausschließlich das unter den gegebenen Möglichkeiten exzellent gefilmte und aufgenommene Konzert. Und schließlich gibt es nicht viele Chancen, so viele Legenden zusammen in einem Wohnzimmer Musik machen zu sehen und zu hören.

Diese Aufnahmen sind die letzen und damit das Vermächtnis von Muddy Waters. Er starb zwei Jahre später in Chicago.

Die Rolling Stones gingen 1982 in Europa auf Tournee. Sieben Jahre später kehrten sie dann als eine massenkompartible Stadionbigband zurück. Großartige musikalische Höhepunkte gibt es danach nur sehr wenige. Das Feuer ist erloschen.

trablu

Ergänzung:

Wer sich mit dem Leben und Schaffen Muddy Waters beschäftigen möchte, der/dem sei die Biografie MUDDY WATERS – PATE DES ELECTRIC BLUES von Robert Gordon empfohlen, von dem auch der Begleittext im Booklet der aktuellen DVD/CD stammt.

Und als “Grundstock” die CDs:
- THE PLANTATION RECORDINGS (1941 – 1942) 2 CD – Die ersten Aufnahmen von Muddy Waters überhaupt
- THE CHESS BOX (1947 – 1972) 3 CD – Sampler, u. a. mit der Originalversion von GOT MY MOJO WORKIN´
- LIVE IN NEWPORT (1960) 1 CD - Epochaler und kompletter Auftritt auf dem Newport Jazz Festival
- FOLK SINGER (1964) 1 CD - Akustischer Countryblues mit Buddy Guy, Willie Dixon und Clifton James
- ELECTRIC MUD (1968) 1 CD - Mit LET´S SPEND THE NIGHT TOGETHER
- FATHERS AND SONS (1968) 1 CD - Studio/Live, mit u. a. Mike Bloomfield und Paul Butterfield, und mit der wohl inspiriertesten Version von GOT MY MOJO WORKIN´
- HARD AGAIN (1977) 1 CD - Mit u. a. Johnny Winter und James Cotton

Und von den Stones empfiehlt sich – neben den ersten Studioalben - der Konzertfilm ROCKS OFF bzw. LET´S SPEND THE NIGHT TOGETHER über die US-Tour 1981. Aus diesem Film stammt auch BLACK LIMOUSINE im Bonusmaterial der aktuellen DVD.
trablu
 
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