Hier findet Ihr Berichte, Tourdaten & Reviews (mit Setlists und Fotos) und Infos zur Band. Presseartikel stehen in der Presse-Rubrik bereit.

CREAM SPIELT WIEDER
ES IST OFFIZIELL:
CREAM SPIELT IN NEW YORK

Ticketverkauf beginnt am 12. September
(06.09.2005)

Was bis vor wenigen Monaten noch als reine Utopie galt, ist nun offiziell bestätigt: Cream macht einen zweiten Anlauf in New York! Das Rocktrio gibt vom 24. bis 26. Oktober drei Konzerte im Madison Square Garden.

Inoffizielle Statements hatten es schon seit Längerem prophezeit. Unseriösen Ticketbrokern reichte dies schon aus, um mit exorbitanten Preisen ihre Exklusivität beweisen zu wollen. Ein Kräftemessen auf Kosten der Fans. Die eigentlichen Preise fallen wesentlich moderater aus: Sie liegen zwischen 65 und 350 Dollar pro Ticket.


Foto © M. Walter für Clapton.de

REUNION-FAZIT ROYAL ALBERT HALL
EIN KURZES AUFFUNKELN AM HIMMEL
Die Fans warteten 37 Jahre - nach fünf Tagen war alles vorbei (11.05.2005)

Zwei Jungen liegen nachts auf einer Wiese, den Blick gen Himmel gerichtet. Sie warten schon seit vielen Stunden. Über ihnen tut sich nichts. Als einer von beiden kurz wegsieht, erblickt der andere aus heiterem Himmel eine Sternschnuppe. Kaum wollte dieser ganz verblüfft den Mund aufmachen, um seinen Freund auf den Kometen aufmerksam zu machen, war dieser aber schon verglüht.

So in etwa haben wir uns aus zeitlicher Perspektive die Cream-Reunion vorzustellen: Nach 37 Jahren Abstinenz kommt das Trio wieder auf die Bühne. Und nach nur fünf Tagen ist der Spuk wieder vorbei. Auf dem ersten Blick mag es ein wenig weit hergegriffen klingen, Kometen mit einer kleinen Konzertreihe drei alter Herren zu vergleichen, dennoch gibt dieses Beispiel ganz gut wieder, mit was für krassen Zeitspannen wir es hier eigentlich zu tun haben.

Schon seit dem letzten Konzert im November 1968 warten die Fans auf eine Reunion oder gar ein Comeback des Rocktrios. Jedoch nahmen die Zweifel stetig zu: Die Drei waren zerstritten und jeder von ihnen versuchte, unabhängig von den anderen im Musikgeschäft Fuß zu fassen, teilweise gar mit musikalischen Umorientierungen. Das Projekt "Cream" sollte abgeschlossen werden. Was blieb, war die Erinnerung an eine Band, die in einer wohl historisch einzigartigen Konstellation einen großen Teil zur Geschichte des modernen Blues und des Rocks beitrug. Sie profitierte vom kulturellen Umbruch inmitten der 60er Jahre und konnte Ihre "Messages" an ein neuartiges junges Publikum verkaufen. Es waren genau diese jungen Fans, die das Projekt "Cream" - trotz fortschreitender Zeit und unbeachtet der weiteren Biografien der drei Musiker - weiterhin als eine isolierte Sache betrachtet haben. Sie schufen damit den Kult um das Trio und sie machten die Band zur Legende.

November 2004: Nach 36 Jahren kommen die "jungen Fans", mittlerweile alle jenseits der fünfzig Jahre, wieder aus ihren Löchern gekrochen. Sie sind es, die sich zuerst zu Wort melden, als sich die Gerüchte um eine anstehende Cream-Reunion verdichten. Der Lauf der Zeit hat sie verändert: Die Drogen sind beiseite gelegt, statt zerrissener Jeans hängen gebügelte Hemden im Schrank und aus der Vinyl-Single sind längst MP3-Dateien geworden. Vielleicht ist es die Angst, das Trio könnte sich im Wandel der Zeit in vielerlei Hinsicht genauso stark verändert haben, die zur Skepsis vieler Anhänger geführt haben könnte. In ihren Augen musste Cream - wie aus einem gefrorenen Eisklotz - exakt so spielen wie 1968. Aber das konnte doch nicht funktionieren!

Jedoch kam es anders: Am 2. Mai 2005 traten die Drei unter tosendem Applaus auf die Bühne in der Londoner Royal Albert Hall und spielten ohne auch nur mit der Wimper zu zucken ihren Opener "I'm So Glad" . Es verwunderte alle: Cream spielte tatsächlich so, als sei Ihr letztes Konzert am Vorabend gewesen. Nur, dass es da noch keine funkgesteuerte Musik und Lichttechnik, keine DVD-Aufnahme, keine Digitalkameras mit schwenkbaren Displays und auch keine Platzkarten für 175 Pfund gab. Also muss da doch mehr als ein Tag zwischen gelegen haben!

Nach der ersten Show überschlug sich die Weltpresse mit Huldigungen und Lobpreisungen. Auch in sämtlichen Internet-Foren fiel kaum ein schlechtes Wort über das Konzert. Weg war sie, die Angst, der Kult um die Band könnte durch eine misslungene Reunion Schaden nehmen. Weg war sie, die Angst, Cream hätte mit Neukreationen am Geist der alten Zeit rütteln können. Da haben wir ja noch mal Schwein gehabt!

Das Gefühl trug sich durch die drei weiteren Shows fort. Und auch am letzten Abend, als die Drei nach ihrer Zugabe "Sunshine Of Your Love" ohne große Gesten die Bühne verließen, hätte man denken können, dass sie am Folgetag weiterspielen würden - genauso wie in den 60ern. Doch dem ist nicht so. Der Komet ist verglüht. Der Junge, der ihn verpasst hat, beißt sich vor Ärger ins Bein. Er weiß genau, dass er wohl keine Sternschnuppe an diesem Abend mehr sehen wird. Und so ist das auch mit Cream. Es war ein kurzes Auffunkeln am Himmel, was uns noch mal gezeigt hat, was Cream überhaupt ist und was die Band überhaupt kann. Ein neues Kapitel wurde nicht aufgeschlagen, vielmehr wurde eines zu Ende geschrieben, was 1968 nicht vollendet werden konnte.

Goodbye Cream!

Nach dem letzten Cream-Konzert
AFTER-CREAM PARTY MIT PETE BROWN
(07.05.2005)

Im Anschluss an die letzte Cream-Performance bot sich den Nachteulen noch ein interessanter Ausklang: Pete Brown, Creams wichtigster Songwriter ("I Feel Free," "Sunshine of Your Love"), spielte zusammen mit der "Saiichi Sugiyama Band" im Untergrund des Londoner Hard Rock Cafés. Zu der Akustik-Performance gehörten vornehmlich Songs von Cream, die Pete Brown mit erhobenem Finger immer wieder als die "Seinigen" bezeichnete. Aber auch zahlreiche Songs von Sugiyamas Band erfreute die rund 200 Zuschauer. In der Pause war Pete offen für Gespräche mit den Fans und vergab zahlreiche Autogramme.

Der Songwriter, Percussionist, Sänger und Trompetenspieler Pete Brown ist über die Jahrzehnte bei Vielen in Vergessenheit geraten. Es sollte jedoch nicht unterschätzt werden, welch maßgeblichen Einfluss er - meist in Zusammenarbeit mit Jack Bruce - auf die Cream-Songs hatte. Nach der Auflösung des Trios 1968 arbeitete er noch lange Zeit mit Jack zusammen.


Saiichi Sugiyama (Gitarre) und Pete Brown (Vocals, Percussion) im Club des Londoner Hard Rock Cafés

Gigantischer Tourstart
DIE CRÈME DE LA CREAM
(03.05.2005)

Die Fans und die Weltpresse überschlagen sich: Aus allen Teilen der Welt schießen Pressemitteilungen mit Lob und Hochpreisungen ins Internet und auch in sämtlichen Internet-Foren können die Fans Ihre Begeisterung nur schwer schildern. Es scheint außer Zweifel zu stehen: Cream hat einen fantastischen Start hingelegt!

Selbst Eric Clapton, sonst eher kühner und wortkarger Mensch auf der Bühne, konnte seine Emotionen nicht zurückhalten. Schon kurz nach dem Opener "I'm So Glad" stellte er sich vors Mikrofon und bedankte sich: "Thanks for waiting all those years". Er versprach seinen Fans an diesem Abend "to play everything we know" und "to play as long as we can!"

Daran hielt sich das Trio auch. Innerhalb von zwei Studen rissen sie 19 Songs von Ihrer Setlist, davon zahlreiche hochkarätige Klassiker aus der Bandgeschichte und dazu auch Stücke, die in den letzten 37 Jahren schon Staub angelegt hatten, da sie so gut wie gar nicht live gespielt wurden. Zur Zugabe "Sunshine Of Your Love" durften die Fans - wie in der Royal Albert Hall üblich - zur Bühne vorrücken und das Trio bei ihrem wohl erfolgreichsten Song hautnah erleben...


"We play as long as we can" - Ginger Baker, Jack Bruce und Eric Clapton in der Royal Albert Hall beim Eröffnungskonzert der Cream-Reunion

Hintergrund zur Cream-Reunion in der Royal Albert Hall
DIE SUPERGROUP DER 60er SPIELT WIEDER
Ein letztes Sahnehäubchen?
(30.04.2005)

Man sagt, Cream sei die erste Supergroup der Musikgeschichte. Ok, aber was ist das denn eigentlich, eine Supergroup? In der Musikszene spricht man von Supergroups, wenn die Mitglieder einer Formation bereits in anderen Bands erfolgreich waren. Beispiele hierfür sind "Crosby, Stills & Nash", "Blind Faith" oder "Emerson, Lake & Palmer". Cream hat in diesem Kanon eine ganz besondere Rolle inne - nicht nur, dass einer aus dem Trio eine gigantische Karriere gemacht hat - nein, das Trio hat mit seinem experimentellen Blues und Rock wahre Musikgeschichte geschrieben.

Hätte man vor einem Jahr erzählt, dass im kommenden Mai eine Cream-Reunion anstünde, so wäre dies als reine Utopie untergegangen. Jetzt ist es wirklich so und nicht alle können sich damit anfreunden, denn während für viele ein langer Traum in Erfüllung geht, ist die Reunion für andere eine sinnloser Versuch, den alten "Cream-Geist" wieder aufzuleben zu lassen. Allein schon von der physischen Seite sei es schwierig, so die Kritiker, hat doch insbesondere Ginger Baker massive gesundheitliche Probleme. Dazu das Argument, dass sich das Trio in den letzten Jahrzehnten musikalisch sehr unterschiedlich (weiter-)entwickelt hätte. Nicht zuletzt wären Jack, Ginger und Eric auch 35 Jahre nach der unfriedlichen Trennung keine Freunde - aber das ist ja wirklich kein Geheimnis.

Was erwarten wir eigentlich von den vier Konzerten in der Royal Albert Hall? Es ist schwierig zu beantworten. Vor allem deshalb, weil ganz viele derer, die das Glück hatten, an eines der Tickets zu kommen, Cream vorher noch nie life gesehen haben. Es ist also - kurz gefasst - eine neue Generation an Fans, die sich der alten beimischt. Es sind die "Alten", die mit ganz klar definierten Erwartungen nach London blicken: Das alte Trio muss wieder so spielen, wie es gespielt hat - unverfälscht und authentisch. Die "Neuen", die Cream zum ersten Mal sehen werden, sehen dies eher gemischt. Sie taumeln in keinem romantischen Rückfall - sie können ja nicht in etwas fallen, was sie nicht kennen. Also suchen sie Ihre Motivation in einer kritischen Auseinandersetzung mit dem, was ihre Väter oder Mütter immer noch als "die Zeit" hochloben. Dadurch entstehen ganz unterschiedliche Erwartungen, jedoch wird am Ende wahrscheinlich stehen: "Die Jungs haben glaube ich echt gute Mucke gemacht - und das seh' ich mir bei eigenem Leibe in London an."

Egal wie wir zu der Reunion stehen - ein bisschen verrückt ist die ganze Sache schon. Drei alte Herren raufen sich nach 37-jähriger Abstinenz wieder auf die Bühne - die kurze Reunion von 1993 einmal ausgenommen - und wollen ihren unzähligen Fans aus aller Welt zeigen, dass sie es immer noch können. Aber warum wollen sie das? Gilt es, dem Rocktrio noch neues letztes Sahnehäubchen aufzusetzen und damit dem Kult im neuen Jahrtausend eine neue Qualität zu geben? Wohl kaum, denn die Fans stehen der Cream-Zeit wesentlich unkritischer gegenüber als beispielsweise der späteren Solokarriere Eric Claptons. Cream muss uns also - musikalisch gesehen - nichts mehr beweisen. Vielleicht ist die Erklärung ganz einfach: Jack Bruce, Ginger Baker und Eric Clapton wollen Ihrer Formation eine letzte Salbung verabreichen und nach Jahren der Untracht und des Schweigens der Geschichte von Cream, die unerwarteterweise im neuen Jahrtausend noch ein neues Kapitel aufschlägt, einen friedlichen Abschluss ermöglichen.

Wir sind gespannt!


Die Pinktönung der Royal Albert Hall kann man sogar auf Satellitenfotos erkennen



02.05: London - Royal Albert Hall
03.05: London - Royal Albert Hall
05.05: London - Royal Albert Hall
06.05: London - Royal Albert Hall

24.10: New York - Madison Square Garden
25.10: New York - Madison Square Garden
26.10: New York - Madison Square Garden

von Christian Grube

JACK BRUCE (BASS) ist Jahrgang 1943. Er fing in jungen Jahren eine klassische Ausbildung an, bei der er Cello lernte. Als dieses Instrument ihn aber nicht mehr zufrieden stellte, griff er zur Bassgitarre. Jack Bruce spielte in verschiedenen Bands von "Alexis Korner", über die "Graham Bond Organisation" bis hin zu "John Mayall's Bluesbreakers", wo er Eric Clapton kennenlernte. Nachdem er bei John Mayall ausgetreten war, spielte er bei der "Manfred Mann Combo" bis 1966. Im selben Jahr traft er sich mit Eric Clapton und Ginger Baker, sie gründeten Cream. Bei Cream schrieb Bruce mit dem Texter Pete Brown die meisten Songs. Aus seiner Feder stammen Songs wie "Sunshine Of Your Love" oder "White Room". Nach dem sich Cream 1968 auflöste spielte Bruce mit vielen Namenhaften Musikern wie George Harrison, Dick Heckstall-Smith, Gary Moore oder Ringo Starr.

GINGER BAKER (DRUMS) wurde am 19.8.1939 in London als Peter Edward Baker geboren. Er fing in jungen Jahren mit dem Trommeln an. Seine Lehrzeit verbrachte er in vielen Dixilandbands; von daher kommen auch sein großer Jazz-Einfluss, den man bei Cream hören kann. Seine "Profi"-Karriere begann er bei der Graham Bond Organisation, wo er bis 1966 blieb. Im selben Jahr begann seine Laufbahn bei Cream. Als die Band sich 1968 auflöste, gab es immer wieder Gerüchte, dass Baker und Jack Bruce sehr starke Differenzen über die musikalischen Aktivitäten der Band hatten, doch heute hört man immer wieder aus zuverlässigen Quellen, dass Baker und Bruce gar nicht so viele Differenzen hatten wie allgemein angenommen wurde. Nach Cream formierte Ginger Baker zusammen mit Eric Clapton und Steve Winwood die Band "Blind Faith", dessen Geschichte aber nach einem Album und einer Tour schon mehr oder weniger besiegelt war. Anfang der 70er gründete Baker die "Ginger Baker Air Force", eine Fusion, der unter anderem Steve Winwood und Graham Bond angehörten. In den 70ern spielte er noch in mehreren anderen Bands bis es in den 80ern etwas ruhig um ihn wurde. In den 90ern spielte er mit seinem alten Bandkollegen Jack Bruce und dem Stargitarristen Gary Moore in der Formation BBM welche ein viel gelobtes Album herausbrachte.