Man nennt ihn Gott
Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 16.07.2006
Eric Clapton begeisterte in der nicht ganz ausverkauften Westfalenhalle. Von Kathrin Melliwa.
Er kam, sah und siegte - E.C was here. Und wie: Vom ersten Song an hatte Blues-Legende Eric Clapton am Freitag Abend bei seiner Welttournee "Back home" in der nicht ganz ausverkauften Westfalenhalle seine Fans im Griff.
Noch dunkel die Bühne, ein paar Menschen wuseln hin und her, und plötzlich steht er da. Dunkle Schlabberjeans, blaues Hemd. Greift ohne jedes Brimborium, ohne "hello Dortmund" einfach zur Gitarre. Ein kurzes, verzücktes Aufjaulen im Publikum, dann hängen sie still an seinen Lippen, sehen oben an dem Bildschirm fast ehrfürchtig, wie die Blues-Legende die Finger über die Saiten tanzen lässt. "Man nennt ihn Gott. Hörst du das nicht?", versucht mir mein Nachbar ins Ohr zu flüstern. Schulterzucken, was nicht nur daran liegt, dass jegliche Unterhaltung bei der Dezibelzahl fast unmöglich ist. Aber zum Quatschen ist man ja eh nicht hier. Konzentriert geht der Blick wieder auf die Bühne, zu Clapton und seinen Musikern. Und die sind, bei allem Spaß und bei aller Spielfreude, genauso ernst und konzentriert bei der Sache. Verzichten auf jeden Schnickschnack, glänzen dafür wie Gitarrist Derek Trucks und Keyboarder Chris Stainton mit atemberaubenden Soli - um nur zwei der elfköpfigen Band zu nennen. Das Publikum ist hin und weg. Mein Nebenmann auch...
Das rockige "Pretending" steht am Anfang des Hit-Feuerwerks, und Clapton muss seine Fans nicht erst auf Betriebstemperatur bringen: Dafür hatte vorher schon ein anderer gesorgt. Denn auch bei seinem "Special Guest" setzte der Brite auf absolute Professionalität und Altbewährtes. Gitarrist Robert Cray und seine Band stehen seit Anfang der 80er immer mal wieder mit Clapton auf der Bühne. Eine Vorgruppe, die einfach Spaß macht. Und viel mehr ist als eine Einstimmung auf Clapton Superstar.
Der lässt es knapp zwei Stunden lang Schlag auf Schlag krachen: Bei langsamen Songs wie "Wonderful tonight" werden tatsächlich drei Wunderkerzen in der Halle geschwenkt, dann dröhnt "Layla" durchs Hallenrund - und plötzlich kommt Leben in die Bude. Gerade noch zu Salzsäulen erstarrte Endfünfziger wippen und wedeln im Innenraum, dass einem Angst und Bange wird.
Neben mir, hier herrschte bisher die bereits erwähnte Konzentration, ein begeistertes "einfach geil". Zum Schluss schreie auch ich ganz glücklich "Mann, das kenne ich", als Clapton sein unwiderstehliches "Cocaine" zum Besten gibt. Völlig unspektakulär verschwindet der Superstar nach seiner einzigen Zugabe "Crossroads" dann von der Bühne. Das Publikum fordert noch ein bisschen, trollt sich aber brav Richtung Ausgang. Ihr "Gott" hat alles gegeben. Und das war mehr als genug.