Eric Clapton spielt sich durch sein Leben
Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 16.07.2006. Von Michael Brandhoff.
Der Altmeister begeistert nach wie vor sein riesiges Publikum. Auftritte in der Kölnarena und in der Westfalenhalle.
Er geht´s gerne gemütlich an, dieser Eric Clapton. Mister Slowhand. Einer der Größten an der Gitarre. Fünf Jahre ist es inzwischen her, dass er mal sagte, er wolle es noch geruhsamer angehen, wolle nie wieder auf eine Welttournee gehen.
Geschwätz von gestern, natürlich. Denn der 61-Jährige ist wieder da. Und er ist einer der wenigen, die an zwei Abenden hintereinander die beiden größten Hallen Nordrhein-Westfalens füllen: am Donnerstag die Kölnarena, gestern die Dortmunder Westfalenhalle. Mit geschlossenen Augen steht er auf diesem verschrobenen Teppich, den sich andere nicht ins Wohnzimmer legen würden. Fast in Trance lässt er die Fingerkuppen sanft über die Saiten gleiten. Das Publikum lauscht andächtig jedem Akkord. Ehrfürchtig. Eine ganz andere Atmosphäre als bei so vielen Konzerten. Operesk. Während der einzelnen Songs klatscht keiner mit, anschließend braust jedes Mal berauschender Beifall auf. Eric Clapton spielt sich durch sein Leben - mehr als 40 Jahre musikalische Meisterwerke.
1964 war der Engländer zu den Yardbirds gestoßen, 1965 schloss er sich John Mayall´s Bluesbrakers an, 1966 gründete er schließlich Cream. Da gehörte Clapton schon längst zu den größten Gitarristen der Welt. Blues ist sein Ding, Robert Johnson sein Idol. 2004 spielte er dessen Songs auf seinem Album "Me And Mr. Johnson", sein jüngstes Werk "Back Home" ist von den Einflüssen der Blues-Legende geprägt.
Neun Musiker stehen mit auf der Bühne. Jeder eine Klasse für sich, jeder darf seine Kunst unter Beweis stellen. Jeder tut es. Kultiviert, ohne übertriebene Showeinlagen. Wohltuend. Und so ist es Usus, dass jeder Song gefühlte zehn Minuten dauert. Das ufert nicht nur aus, nein, das mäandert. "After Midnight" beispielsweise, einer der Höhepunkte während der zwei Stunden.
Und als Eric Clapton gegen Ende das Doppelpack mit dem schmusigen "Wonderful Tonight" und dem rappeligen "Layla" loslässt, danach noch das dreckige "Cocaine" drauflegt, geht auch ein Ruck durch die Menge. Klatschende Hände werden über die Köpfe gereckt, der Jubel wird lauter.
"I´ve Been On The Road Too Long", singt Eric Clapton während "Back Home". Nein, ganz sicher nicht.